Chia - Hsiu Chen

 

Chia-Hsiu ist eine Frau mit vielen Talenten und Interessen: sie malt und spielt Klavier, treibt Sport und Tanz. Als sie 1985 aus Taipeh nach Bielefeld kam, um Philosophie zu studieren, suchte sie u.a. eine Möglichkeit für die Weiterbehandlung einer Epilepsie, die im Alter von 11 Jahren bei ihr begonnen hatte. Bethel war die naheliegende Adresse, aber es ging nicht ohne kontroversielle Diskussionen ab. Chia-Hsiu hatte ihre eigenen Vorstellungen von der Behandlung und ein Projekt, das hoch hinausgriff: die Krankheit aus eigener Kraft, von innen heraus zu besiegen, ohne die Hilfe von Medikamenten, die sie als künstlich empfand. Manche schaffen das, wenn sie erst wenige Anfälle gehabt haben, die durch erkennbare und vermeidbare Umstände wie Schlafmangel oder viel Alkohol ausglöst waren. Dies traf für sie aber nicht zu. Trotzdem hielt sie hartnäckig daran fest, es versuchen zu wollen, vernünftigerweise aber nur unter ärztlicher Begleitung. Ein Argument war, daß es nicht gelungen war, ihre Anfälle durch Medikamente zu beherrschen.

Wir wagten endlich zusammen, die Medikamente schrittweise ganz abzu­set­zen, was 9 Monate dauerte. Es kam darauf an, alle erdenklichen Auslösefaktoren aufzudecken und auszuschalten, was sie mit eiserner Disziplin durchführte. Aber die Auslöser wurden immer subtiler, schließlich kaum noch faßbar und nicht mehr vermeidbar. Erstaun­licherweise hatte sie zwar ohne nicht mehr Anfälle als mit Medikamenten, aber sie wurden auch nicht weniger und im November 1995 mußte sie schweren Herzens einsehen, daß sie sich Unmögliches vorgenommen hatte. In unseren Gesprächen wurde ihr deutlich, daß Unmög­liches von sich zu verlangen ein wiederkehrendes Muster in ihrem Leben war. Das Scheitern ihres Selbstbehand­lungsprojekts, in dem sie sich keinerlei Versäumnisse vorzuwerfen hatte, konnte als Signal verstanden werden, umzudenken und sich mit dem Möglichen zufrieden zu geben.

Jetzt gelang es auch, eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung zu finden, und Chia-Hsiu ist seit Jahren anfallsfrei. Sie fand in Hans-Jürgen Obermeier ihren Lebenspartner und die beiden haben 1999 geheiratet.

Solche Geschichten verbinden, umso mehr als sie einige Zeit wegen einer anfallsbedingten Verletzung auch bei meiner Frau in krankengymnastischer Behandlung war. Auch wenn das junge Paar kein Geld übrig hat, wollten sie gerne etwas für die Stiftung tun. Wir danken Chia-Hsiu und Hans-Jürgen sehr herzlich für die ehrenamtliche Betreuung dieser Website.